Prof. Dr. Susanne Breitner-Busch auf neuen Lehrstuhl für Umweltepidemiologie berufen
Neue W3-Professur stärkt Forschungsschwerpunkt Environmental Health Sciences der Medizinischen Fakultät Augsburg – Forschung zu den Auswirkungen von Luftverschmutzung, Hitze und weiteren Umweltfaktoren auf die Gesundheit

Die Medizinische Fakultät Augsburg baut ihren Forschungsschwerpunkt Environmental Health Sciences (EHS) weiter aus: Prof. Dr. Susanne Breitner-Busch hat den neu eingerichteten Lehrstuhl für Umweltepidemiologie angetreten. Die Wissenschaftlerin erforscht, wie Umweltfaktoren wie Luftschadstoffe und Temperaturen die menschliche Gesundheit beeinflussen. Ein besonderer Fokus liegt auf Herz-Kreislauf- und neurologischen Erkrankungen sowie auf dem Zusammenspiel verschiedener Umweltbelastungen.
„Umweltbedingungen haben einen unmittelbaren Einfluss auf unsere Gesundheit. Mit der neuen Professur schaffen wir die Möglichkeit, diese Zusammenhänge aus epidemiologischer Perspektive noch umfassender aufzuklären“, sagt Prof. Dr. Martina Kadmon, Dekanin der Medizinischen Fakultät Augsburg. „Prof. Breitner-Busch bringt dafür langjährige wissenschaftliche Erfahrung und eine hervorragende Vernetzung in der Umwelt- und Gesundheitsforschung mit. Zugleich stärkt ihre Berufung die Zusammenarbeit innerhalb unseres Forschungsschwerpunkts Environmental Health Sciences.“
Wenn Umweltfaktoren krank machen können
Wie wirken sich Feinstaub, ultrafeine Partikel oder hohe Temperaturen auf den menschlichen Körper aus? Und welche Rolle spielt es, wenn mehrere solcher Belastungen gleichzeitig auftreten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Umweltepidemiologie.
Die Neuberufene untersucht unter anderem die Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung, Temperatur und kardiovaskulären Erkrankungen. Ihre bisherigen Arbeiten befassen sich beispielsweise mit den Auswirkungen ultrafeiner Partikel auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkten oder Bluthochdruck. Auch mögliche biologische Mechanismen, die diesen Zusammenhängen zugrunde liegen, stehen im Fokus.
Ein wichtiger Bezugspunkt ihrer Forschung ist dabei die Gesundheitsforschung in der Region Augsburg. Breitner-Busch arbeitet seit vielen Jahren mit Daten der KORA-Kohorte und ist aktuell unter anderem an Untersuchungen zu verkehrsbedingten Luftschadstoffen und kardiovaskulären Erkrankungen beteiligt. Auch an der Augsburger Klimastudie ist sie beteiligt, die unter anderem untersucht, wie Hitze und Kälte Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes beeinflussen.
Nicht nur einzelne Schadstoffe im Blick
Ein Schwerpunkt der zukünftigen Forschung soll auf dem Zusammenspiel verschiedener Umweltfaktoren liegen. Denn Menschen sind im Alltag selten nur einer einzigen Belastung ausgesetzt. Luftschadstoffe können beispielsweise gleichzeitig mit hohen Temperaturen auftreten; auch Lärm, Grünflächen, Lebensstil und soziale Faktoren können die gesundheitlichen Auswirkungen beeinflussen.
„Wir wissen inzwischen viel über die Wirkung einzelner Umweltfaktoren. Noch vergleichsweise wenig wissen wir darüber, wie verschiedene Belastungen zusammenwirken“, erklärt Prof. Dr. Susanne Breitner-Busch. „Hier möchte ich ansetzen und untersuchen, welche Kombinationen von Umweltexpositionen besonders relevant für die Gesundheit sind und welche Faktoren Menschen möglicherweise schützen können.“
Dafür sollen unter anderem statistische Verfahren und Methoden aus dem Bereich des Machine Learning eingesetzt werden. Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen Umweltbelastungen und kardiovaskulären und neurologischen Erkrankungen besser zu verstehen.
Augsburg als Standort für Umwelt- und Gesundheitsforschung
Für ihre Forschung findet die Umweltepidemiologin in Augsburg zahlreiche Anknüpfungspunkte. Geplant ist eine engere Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen der Universität und des Universitätsklinikums sowie innerhalb des Forschungsschwerpunkts Environmental Health Sciences. Dazu gehören unter anderem die Forschung zu Umweltexpositionen, die Epidemiologie und die Untersuchung des Einflusses von Umweltfaktoren auf neurologische Erkrankungen.
Auch bestehende Gesundheitsdaten aus Augsburg bieten Möglichkeiten für gemeinsame Forschung. So sieht Breitner-Busch Potenzial darin, Daten des Herzinfarktregisters Augsburg, aber auch des Universitätsklinikums mit Informationen zu Umweltexpositionen zu verknüpfen. Für die Untersuchung möglicher Wirkmechanismen sind Kooperationen mit dem Institut für Theoretische Medizin und dem Universitätsklinikum vorgesehen.
„Augsburg bietet für die Verbindung von Umwelt- und Gesundheitsforschung sehr gute Voraussetzungen“, sagt die Neuberufene. „Hier gibt es etablierte epidemiologische Forschung, umfangreiche Gesundheitsdaten und zugleich eine starke interdisziplinäre Umweltforschung. Diese Strukturen möchte ich gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen weiterentwickeln.“
Auch in Lehre und Nachwuchsförderung will sich Prof. Dr. Susanne Breitner-Busch einbringen. Geplant sind unter anderem Lehrangebote zur Umweltepidemiologie sowie die Betreuung von Studierenden und Promovierenden.
Zur Person
Prof. Dr. Susanne Breitner-Busch ist seit dem 1. Oktober 2026 Inhaberin der W3-Professur für Umweltepidemiologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg. Die Statistikerin studierte und promovierte an der LMU München und forschte unter anderem am Helmholtz Zentrum München sowie an der Harvard School of Public Health in Boston. Bis zum 30. September 2026 war sie Senior-Wissenschaftlerin am Helmholtz Zentrum München und am Institut für Epidemiologie der LMU München. Von 2011 bis 2021 war sie stellvertretende Leiterin der Arbeitsgruppe „Environmental Risks“ und von 2025-2026 der Arbeitsgruppe „Exposomics“ am Helmholtz Zentrum München.
Foto: Fotostelle Universität Augsburg